#12 Blick auf Waldmüller
Shownotes
Was steckt in der Schürze des kleinen Mädchens? Eine Maus, eine Taube oder etwas ganz anderes? Ferdinand Georg Waldmüller (1793–1865) macht uns mit seinem Gemälde „Kindliche Neugierde“ von 1851 zu neugierigen Beobachtern einer Szene, deren Geheimnis ungelöst bleibt.
In Folge 12 des Dorotheum-Podcasts „Über den Wert der Kunst“ spricht Andreas Maurer mit Ana Mayagoitia, Expertin für die Malerei des 19. Jahrhunderts im Dorotheum, über zwei außergewöhnliche Werke des österreichischen Biedermeiermalers: „Kindliche Neugierde“ (1851) und „Im Ziegenstall“ (1858).
Warum spielen Kinder in Waldmüllers Malerei eine so zentrale Rolle? Wie gelingt es ihm, scheinbar alltägliche Szenen in lebendige Geschichten zu verwandeln? Und wie viel Inszenierung steckt hinter seiner meisterhaften Darstellung der Wirklichkeit?
Das Gespräch führt von der Bedeutung der Kindheit im Biedermeier über Waldmüllers revolutionäre Vorstellungen von Kunstausbildung bis zu seiner einzigartigen Lichtführung und der Frage, ob seine Bilder bloße Idylle oder auch ein Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse sind. Außerdem geht es um Waldmüllers Erfolge auf dem Kunstmarkt, seine herausragende malerische Technik und darum, weshalb seine Gemälde bis heute faszinieren.
Die beiden besprochenen Werke werden im Rahmen der Auktion „Gemälde des 19. Jahrhunderts“ im Dorotheum angeboten.
Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts https://www.dorotheum.com/de/a/125827/
Datum: 22. Oktober 2026
Ort: Palais Dorotheum, Wien
Gäste: Ana Mayagoitia, Expertin für Gemälde des 19. Jahrhunderts
Moderation: Andreas Maurer
Mehr Informationen und alle Lose der Auktion auf Dorotheum.com https://www.dorotheum.com
Musik: by https://www.fiftysounds.com
Transkript anzeigen
00:00:01: Wenn man dieses Bild sieht, kann niemand anderen denken als ein Waldmühler.
00:00:06: Diese Qualität dieser Lichtführung auch wie fein diese ganze Gesichter gemalt sind gewandt und
00:00:13: die
00:00:13: Füße der Kinder und die Schuhchen und jedes Stein ist wirklich extrem fein.
00:00:18: Und die Frage ist was ist in diesen Schürzen drin?
00:00:24: Über den wird der Kunst Der
00:00:26: Dorotheum-Podcast.
00:00:32: Ein Mädchen hält etwas in ihrer Schürze verbauten Die anderen Kinder ringsum drängen sich heran, schauen hin, lächeln
00:00:39: und duscheln.
00:00:41: Nur wir wissen nicht was es da zu sehen gibt!
00:00:44: Und Biedermeier-Maler Ferdinand Georg Waldmüller macht uns neugierig.
00:00:49: Hallo beim Dorotheumpodcast.
00:00:51: Mein Name ist Andreas Maurer und in dieser Folge schauen wie einem Maler beim Geschichten erzählen sozusagen über die Schulter.
00:00:59: Zwei seiner Gemälde liegen vor uns.
00:01:02: Kindliche Neugierde im Ziegenstall, bildervoll erstaunlicher Details.
00:01:08: Aber wie entsteht eigentlich dieser Eindruck mitten im Geschehen zu sein und wie viel Inszenierung steckt in diesen scheinbar ganz alltäglichen Augenblicken?
00:01:18: Darüber spreche ich mit Anna Meier-Geutzer, Expertin für die Malerei des neunzehnten Jahrhunderts im Dorotheum.
00:01:25: Wir haben uns vor dem Gespräch übrigens auf das Du-Wort geeinigt Und wenn Sie mitschauen möchten, beide Waldmüllerbilder finden sie im Online-Katalog auf Dorotheum.com.
00:01:42: Wir sitzen hier am großen Sitzungszimmer, sehen vor uns zwei wunderschöne Waldmühler gemälde liegen.
00:01:47: Das ist das Hauptgemälde sozusagen der neunzehnten Hundertaktion.
00:01:51: Vielleicht alle die es noch nicht gesehen haben online Die Leute können's ja nachschauen oder mit schauen Mit dem Podcast.
00:01:56: Möchtest du uns ein bisschen beschreiben was sehen wir da überhaupt?
00:01:59: Ja, es ist ein sehr tolles Gemälde von Waldmüller.
00:02:02: Achtundfünfzigmal, das heißt kindliche Neugierde.
00:02:06: Allerdings hat er schon unterschiedliche Titeln in der Geschichte.
00:02:10: Die Kunstgeschichte hat immer wieder versucht zu eruieren was mit diesem Bild eigentlich passiert.
00:02:18: In der Mitte steht ein junges Mädchen mit einer Schürze, um ihr herum sind zahlreiche Kinder und ältere Herr.
00:02:26: Es gibt auch einen Landschaftshintergrund, auch typisch für Waldmüller.
00:02:30: Und die Frage ist was ist in dieser Schürzer drin?
00:02:34: Das ist eine Spanne, da eigentlich bei der Szene.
00:02:36: das, was man nicht sieht macht ja die Attraktion des Bildes aus.
00:02:40: Absolut, ja.
00:02:41: Vielleicht sind Tauben der Schützer?
00:02:43: Später wird es aber als die Maus in der Schötzer ausgestellt.
00:02:47: also wir wissen's einfach nicht.
00:02:50: Aber ich glaube Waldmühler wollte einfach nur mit dieser Neugierde und diese unterschiedlichen Reaktionen zu was verborgendes spielen und dass jedes Kind eine andere Gesichtsausdruck hat das unterschiedliche Gefühle quasi beschrieben werden.
00:03:07: Das ist schon erwähnt.
00:03:10: In der Ausstellung von Füger bis Klimter, die geheißen im Dorotium wird es jetzt bei der Aktion als kindliche Neugier angegeben.
00:03:19: in einer Zeitungskritik, das ist schon gesagt, von neunzehn dreiundzwanzig heißt es Die Maus in der Schürze und wird beschrieben als so kindhaft zur Österreich ländlich zu sprudeln vor jugend Glück.
00:03:30: Und dann weiter dass man leicht übersieht wie fein die Farbenbundheit zur Harmonie des Feldstrafs aus, dass gebändigt ist.
00:03:37: So ein Kritiken damals geklungen ganz anders als heute.
00:03:41: aber ist das typisch Biedermeier?
00:03:43: Ist es jetzt typische Waldmüller dieses Bild?
00:03:45: Ich würde sagen sowohl alles auch.
00:03:47: also wenn man dieses Bild sieht kann niemand anderen denken glaube ich als ein Waldmühler.
00:03:53: Also es ist absolut typisch Waldmüler und ich würde auch sagen dass es bis so einen gewissen Grad natürlich auch typisch biedermeyer ist.
00:03:59: in dem Sinne Also wieder meine Zeit kommt, dass in dieser Zeit Genre Darstellungen mehr zu Geltung kamen.
00:04:06: Dass diese Welt der Kindheit vielmehr dargestellt wurde und die Kindheit überhaupt als eigenständige Zeit, wo die Kinder auch nicht wie kleine Erwachsene behandelt wurden oder porträtiert wurden sondern in ihren Gefühlen und Emotionen auch immer wieder dargestellt.
00:04:22: Was macht es aber vielleicht typisch Waldmüller, das dir gesagt hat?
00:04:24: Es gibt auch andere Bilder von anderen österreichischen Biedermähermalerinnen und Malern, wo Kinder dargestellt sind offen.
00:04:30: Italienische und Französische natürlich... was macht es typisch Walt Müller des Bildes?
00:04:35: Also ich würde sagen im Vergleich mit anderen Künstler ist natürlich die Qualität!
00:04:38: Also Waldmühler war wirklich der absolute Beste zu der Zeit in Österreich.
00:04:42: Diese Qualität, diese Lichtführung auch wie fein dieser ganze Gesichter gemalt sind und die Stofflichkeit gewandt und die Füße der Kinder und die Schuhchen und jedes Stein ist wirklich extrem fein gemacht und das ist wirklich die Qualität des Waldmöller absolut bezeichnet.
00:05:02: Ganz naiv gefragt ist es aber auch, weil das vielleicht am Land spielt.
00:05:05: Wir sehen jetzt hinten so eine Art ländliche Kirche.
00:05:07: Es gibt in Wien auch solche Kirchenwochende, äußeren Bezirken
00:05:10: etc.,
00:05:11: Aber auch der Hauseingang den wir da recht sehen dieses Blumenbüschel an der Wand.
00:05:14: Das spielt nämlich mal an entweder wie einer Vorstadt oder
00:05:17: ein Land?
00:05:17: Wahrscheinlich!
00:05:18: Ja also in Katalogisch steht es, dass in einem Vienna-Vorstadt wahrscheinlich gemalt wurde.
00:05:23: Allerdings hat Waldmühler diese Landschaften obwohl er natürlich viel in der Natur studiert und gemacht hat, das Orange Mounds mit einem Kinder- eigentlich Natalier meistens gemacht.
00:05:33: Er hatte ... Sogar es gibt so zeitgenössische Berichte, dass Waldmühler wie eine Schule in sein Atelier hatte.
00:05:39: Weil auf zwanzig Kinder dort gestanden sind und weil Mühler hat sie dann in unterschiedliche Posen dann arrangiert, sodass sie für seine Gemälde Modell gestanden ist.
00:05:49: Das war wahrscheinlich schon ... Also Natur quasi gedacht, das ist die Landschaft.
00:05:53: Dass er da war, dass sich das angeschaut hat oder aus Skizzen gemacht hat aber diese meisten Bilder wurden eigentlich im Atelier gemacht.
00:06:00: Das klingt das für uns heute, wenn du sagst, der hat verschiedene Kinder ins Atelier eingeladen oder verschiedene Personen zum Abmalen.
00:06:05: Klingt es eh normal für Künstlerinnen und Künstlern aber damals war das doch irgendwie was Neues?
00:06:10: Die Natur ist die ewige Wahrheit in ihren Erscheinungen, in ihren Formen!
00:06:15: Ist nicht gemeinschreibt Waldmüller
00:06:17: selbst?!
00:06:18: Wie hat man denn leicht vorher gemalt nach welchen Vorbildern?
00:06:22: Also je nachdem, also in der Akademie.
00:06:23: natürlich hat man immer sehr viel kopiert.
00:06:25: Also haben wir noch die Antike kopiert und alte Meister kopieren.
00:06:29: Da haben wir sehr viel gezeichnet vor allem und die Naturbeobachtung war jetzt nicht ein akademischer Mittel um malen zu lernen.
00:06:37: Und das hat genau eigentlich Waldmüller extrem verärgert weil für ihn war das Wichtigste nicht dass man kompieren lernt sondern zum Schauen lernt und nach seinen Einstellungen war das was man am besten in Natur machen konnte.
00:06:51: Und das ist eine von auch Waldmilöse Besonderheiten, würde ich sagen.
00:06:56: Aber heißt es wenn ich das richtig verstanden habe früher also spät barock etc.
00:07:02: hat man gar nicht jetzt draußen die natur abgemalt oder versucht abzubilden sondern eine natur Komponiert vielleicht eine effektive Fantasie-Natur?
00:07:08: Zum Teil, ja.
00:07:09: Man kann auf jeden Fall diese Fantasi-Bilder von Natur gemacht haben natürlich auch Landschaften gehabt aber das war immer ein bisschen niedrigere Gattung gesehen.
00:07:17: also die wichtige Gattungen waren natürlich Historienbilder, religiöse Bilder Porträts bis zu einem gewissen Grad.
00:07:23: Aber eben dass man einfach eine Skizze Mitte in den Bergen gemacht hat, war das nicht so gänglich.
00:07:34: Nicht nur die Professorinnen und Professoren Auch die Bildthemen hatten an der Akademie eine Rangordnung.
00:07:41: Besonders angesehen war die Historienmalerei.
00:07:44: Darunter verstand man mehr als historische Ereignisse, auch Geschichten aus der Mythologie und der Bibel gehörten dazu.
00:07:52: Eine Kreuzigung oder eine Szene mit antiken Helden galt als besonders bedeutende künstlerischer
00:07:58: Aufgabe.
00:07:59: Warum?
00:08:00: Der Maler musste dafür vieles zusammenbringen.
00:08:03: Wissen über die Geschichte, die Darstellung des menschlichen Körpers und die Fähigkeit mehrere Figuren so anzuordnen dass ihre Gesten und Blicke eine Handlung verständlich darstellten.
00:08:15: Landschaften, Stillleben- und Alltagszenen standen in dieser akademischen Wertung einfach niedriger.
00:08:22: Waldmüller widmete seine ganze Kunstfertigkeit dagegen auch einem scheinbar kleinen Ereignis Kinder schauen, neugierig in eine Schürze oder füttern eine Ziege.
00:08:57: Wir haben dann kopiert.
00:09:06: Und man hat natürlich auch die Wiener Museen, die damals schon offen waren zum Teil besucht und sich vor dem Altemeistergesetz und vor Ort einfach diese Alte-Meister-Komposition kopiert.
00:09:17: Vielleicht an dieser Stelle ein paar Infos zu Waldmüller für unsere Hörerinnen und Hörern.
00:09:21: Siebzehn-achtundneunzig wird er geboren, in Österreich dominiert die Spätbarocke Malerei.
00:09:25: der Vater ein Wirt ist früh verstorben.
00:09:28: Die Mutter möchte eigentlich dass er Priester wird was Sicheres heute auch noch viele Künstlerinnen und Künstlern kennen das immer noch ein Thema ist.
00:09:36: mit vierzehn verlässt Waldmühler schon sein Elternhaus.
00:09:39: er arbeitet aus Chlorist wie es heißt und Cholistenmaler und studiert an der Akademie dort So habe ich gelesen, lässt man ihn aber nur zeichnen.
00:09:48: Wie hat er dann eigentlich das Malen gelernt, dass er so was malen kann?
00:09:52: Also er hatte auf jeden Fall muss man sagen der Krimi schon besucht und auch dort Ölunterricht gehabt.
00:09:57: also Zeichnen war eine sehr wichtige Aufgabe.
00:09:59: damals.
00:09:59: wie man eben schauen gelernt hat es war nicht wegen der Natur aber wirklich das Zeichen von Objekten oder von Alpenwerden gemeldet Hat der Akademie auf jeden Fall besucht und dort hat er, würde ich sagen auch eine normale akademische Ausbildung genossen.
00:10:16: Und er war natürlich Kopist also zu einem gewissen Grad.
00:10:18: Also hat sich auch Altermeister angeschaut unkopiert.
00:10:21: Es gibt frohe Waldmüller-Gemälden die kopieren nach Altermeisters sind.
00:10:25: Wenn wir nochmal zu unserem Gemälde hinschauen, Bildereien zoomen sieht man vielleicht irgendwo noch den Altmeister Einfluss.
00:10:31: bei Waldmühler merkt man irgendwie dass er doch aus einer Tradition oder seiner klassischen Schule kommt?
00:10:37: Also ich glaube beim Waldmühler, also er hatte ihm diesen Ruf das er ein Rebell war und ich glaube in der Theorie auf jeden Fall ein Rebelle.
00:10:44: Dass er nach der Natur malen wollte dass es akademische Verhältnisse sich ändern sollten.
00:10:49: aber eigentlich in seinem Gemälde selber war er sehr traditionell.
00:10:53: bei ihm ist das rebellische nicht unbedingt wie man gemalt hat.
00:10:58: Natürlich sieht man, dass er eine akademische Ausbildung genossen hat.
00:11:02: also das ist immer noch in der Komposition Man sieht es an der Lichtführung.
00:11:06: ich glaube damals ohne diese akademischen Ausbildung hätte man schwer so gut werden können.
00:11:10: auch
00:11:11: Du meinst bei Komposition also dieses Tuch, wo vielleicht die Taube das Mäuschen drinnen ist?
00:11:16: Wir wissen es nicht.
00:11:17: Ist im goldenen Schnitt angelegt... Genau
00:11:19: Pyramidal beschäftigt sich auch mit wie man in diesen Bild rein steigt.
00:11:26: Also was ist das?
00:11:27: erst einmal, dass man sieht, wo sind die Blicke, wofür führen uns diese Blickel?
00:11:31: Er führt uns in diesem Bild auf jeden Fall rein!
00:11:35: Ich finde vielmehr ist das Akademische, da kann man eine bestimmte Sache aussehen akademische Zeit sehen.
00:11:41: Ich finde, das sieht man bei ihm viel auch dieser Täter-Engagement also dass er diese Genre Bilder wirklich wie ein Tärterstück irgendwie präsentiert hat und nachrangiert hat.
00:11:53: Und auch diese Kinder in seinem Atelier eben wie ein tärter arrangiert hat den muss dann still bleiben so dass ich malen konnte.
00:11:59: und ich glaube es ist vielmehr dieses Gespür für was theatralisch ist was seine Dynamik und was eine Stimmung in dem Zuschauer hervorheben kann.
00:12:09: Waldmüller malt nach der Natur, vor allem auch Porträtes.
00:12:12: Dafür ist er sehr berühmt, er malt Adelige und Ludwig van Beethoven ein seiner berühmtesten Bilder hat sich da einen Namen gemacht unterrichtet selbst an der Akademie wo der Unterricht immer noch ein bisschen aus Altmeister Kopien besteht und da wird er dann glaube ich wirklich zum Rebel bei er ja was anderes möchte
00:12:29: Ja, genau.
00:12:29: Er hat eigentlich recht viele Probleme bekommen.
00:12:31: Er hatte mehrere Schriftenverfassungen, in denen er sich von der Zustände der Pandemie beschwert hat.
00:12:38: Das war eigentlich recht kompliziert dann und er hat seine Anstelle verloren.
00:12:43: Danach also zu späteren Zeiten in seinem Leben wird er rehabilitiert.
00:12:47: aber ich glaube der Waldmühler in dieser total revolutionäre Wege waren halt im Wien nicht wirklich nachgefragt und die Akademiker haben das wirklich nicht als... ordentliche Lehrweg gesehen.
00:12:59: Also lustigeweise er wollte, dass die Ausbildung nur zwei Jahre dauern sollte aber wesentlich intensiver sein sollte und dass in dieser zwei Jahre man früher kennen konnte wer tatsächlich talentiert war damit sich Kosten ersparen konnte.
00:13:13: und laut Waldmüller sollten eigentlich nur von der Kremie Bilder von den lebenden Künstlern kaufen und eigentlich nur junge Künstler fordern.
00:13:23: Und das war zurzeit eigentlich nicht wirklich in Mode, würde ich sagen wie man die neue Kunst gefordert hat.
00:13:30: Waldmüller nennt das auch, er möchte nicht mehr die geistlose Anbetung der Antike in der Akademie.
00:13:35: Er nennt sich selbst auch Naturalist, stößt ihn Richtung Impressionismus vor und möchte auch größere Fenster an der Akademie irgendwie einbauen lassen.
00:13:42: Waldmüler wollte also nicht bloß anders malen?
00:13:44: Das ist schon angerissen vorher.
00:13:46: Er wollte doch anders sehen
00:13:47: lernen aber auch sehen leeren
00:13:49: vielleicht.
00:13:50: wie hat er es gemacht?
00:13:51: Wie lernt man anders sehen?
00:13:53: Also ich kann mich schon vorstellen, dass Walmüller viel mehr auf die draußen gesessen ist und die Natur kopiert hat mit seinem Schüler.
00:13:59: Und er hat sich natürlich ganz genau angeschaut, dass die Landschaften auch Gesichtszüge von Menschen ganz genau eingeschaut haben und sie dann wieder gegeben.
00:14:09: Sie haben natürlich die Komposition und so weiter auseinandergesetzt, aber ich glaube es ging auch darum Licht wieder zu geben.
00:14:14: Also für jeden Fall liegt ein super präsentes Thema.
00:14:18: Und seit seinem ersten Italien-Reise ist das würde sagen auch fast das Thema von Werken im Wald mites Leben
00:14:25: Vielleicht auch das Lichter-Aufklärung, das Licht der Erkenntnis.
00:14:35: Die Akademie will Waldmüller's neuen Stil und neue Unterrichtsmethoden nicht mehr selbst.
00:14:40: Der große Metternich interveniert kann aber nichts machen.
00:14:45: Generell kann man sagen, dass es für Waldmüller ein bisschen ein zwiespältiges Jahr ist.
00:14:50: Er darf keine Schüler mehr unterrichten und beendet auch seine private Unterrichtssätigkeit.
00:14:54: Im Jänner heiratete er seine zweite Frau – eine fünf-undzwanzigjährige erst mit der Fünfzig.
00:14:59: In den Jännern hat sich aber noch etwas zuvor in Wien eingemeindet worden.
00:15:05: Die Bevölkerung wächst relativ rasant.
00:15:07: Im Mai gibt's in Wiedern noch ein Jahrhundert Hochwasser besonders betroffen.
00:15:11: Das war der sechste Bezirk also ganz in der Nähe der Akademie wo Waldmühler Unterrichtet hat, sieht man da irgendwas in diesen Bildern davon eigentlich?
00:15:19: Ja auf jeden Fall.
00:15:20: Also ich glaube er hat sehr vielen diese Verordnungen von Wien verbracht, sehr viel Zeit verbracht und hat sich für diesen Alltag interessiert.
00:15:28: Und da sind wir wieder immer wieder gezeit.
00:15:31: Das ist ja immer so.
00:15:31: bei Biedermeier Malerinnen-Malern.
00:15:33: ist es eine Gratwandung.
00:15:34: Sind's idyllische Darstellungen?
00:15:36: Sind das sozialkritische Darstellen?
00:15:38: Steckt doch mehr dahinter?
00:15:39: oder ist es einfach nur ne nette Szene die der Amlan spielt?
00:15:42: Vielleicht, wenn wir uns das andere Waldmüller-Bild anschauen.
00:15:45: Das vor uns liegt im Ziegenstall heißt es von... Die Fütterung.
00:15:52: vielleicht kannst du uns kurz ein bisschen beschreiben?
00:15:54: Was sieht man da genau?
00:15:55: Ich meine die Ziege ist relativ praktisch.
00:15:57: Genau also die Zieger ist wirklich im Mittelpunkt.
00:15:59: Da hat man eigentlich zwei Generationen eine ältere Dame die diese Füttern gespannt zuschaut und dann drei junge Leute diese Ziege füttern.
00:16:11: Und da sieht man eben diese unterschiedliche Reaktionen dazu, also der kleine Bub ganz links schaut ganz neugierig aber traut sich das nicht ganz zu Ziege zu gehen.
00:16:20: Das ältere Mädchen füttert die Ziege wahrscheinlich schon recht geübt.
00:16:24: Das kleinere Mädch schaue sich das auch an und nimmt ein bisschen Heu in der Hand und wird dann wahrscheinlich auch diese Ziegel zunächst... Füttern.
00:16:33: Man nennt das Scheunebilder von Waldmühler und eben diese Bilder, die in dieser geschlossenen Raum stattfinden.
00:16:41: Und da ist bei dieses Bild auch klar, dass diese Stofflichkeit extrem wichtig ist.
00:16:45: Also man kann wirklich genau sehen, diese Holzbalken... Doffe von den Kleidern, also diese Haut von einer jungen Mädel wie weich und rosig sie ist.
00:16:56: Und von älteren Damens habe ich voll Falten.
00:16:59: Das ist so ein typisch Waldmüller dass er einfach dieser Details immer ganz genau malt.
00:17:04: Also auch diesen Kübel ganz rechts heu im Hintergrund.
00:17:09: Es ist alles extrem differenziert und präzise gemalt.
00:17:12: Für mich wirkt so fast, dass wer die Haut der alten Frau fast so knorrig wie die Scheine dahin.
00:17:16: Ja
00:17:17: absolut!
00:17:17: Also es ist typisch Waldmann, weil er wirklich diese Altersgruppen in einem Bild auch zusammen gewürfelt hat also das er immer die ältere Großmutter mit jungen Mutter und dann die Enkelkinder... Das machte Waldmann sehr gerne, dass er unterschiedliche Generationen in einer Komposition zusammenwürfelt.
00:17:35: Natürlich ist das jetzt kein Moment Aufnahme, es ist wie du gesagt hast ein komponiertes Bild eine improvisatorische Unmittelbarkeit.
00:17:42: Wie es öfters in der Literatur heißt.
00:17:43: In Frankreich, Nein,
00:17:55: also ich würde schon sagen dass Kurt B. und Walmüller wirklich ganz andere Ausgangspunkte hatten sind auch ganz woanders gelandert.
00:18:02: Also für Kurt B ist wessen sich moderner würde ich mal sagen Und auf seine Themen sind oft gezielt Unruhe kreieren, würd' ich sagen Politisch, also sie sind politisch das den Sozialkritisch und das ist wirklich gezielt so.
00:18:21: Natürlich sehen wir in viele Wahlmühle gemeldet, die Armut, schwierige Verhältnisse, Kinder, die arbeiten und so weiter.
00:18:28: Aber die sind selten wirklich oder eigentlich kaum wirklich sozial kritisch.
00:18:33: also es ist für ihn viel mehr wie man kund sehen kreieren soll, um nicht so sehr die Themen den Waldmühlen vorkommen.
00:18:41: Also natürlich Realismus!
00:18:42: Aber es ist ein viel geübter Realismus, würde ich sagen.
00:18:46: Es ist eine Wirklichkeit, die man beschreiben will aber zum Teil auch ein bisschen verschönen will, würde Ich
00:18:52: sagen.".
00:18:57: Wieviel Gesellschaft steckt also in diesen scheinbar beschaulichen Bildern?
00:19:02: Das Biedermeier verbinden wir heute gern mit Geborgenheit, Familie und einem überschaubaren Alltag.
00:19:09: Historisch gehört es aber in die Zeit zwischen dem Wiener Kongress und der Revolution von eighteenhundertachtundvierzig.
00:19:16: Eine Zeit voll politischer Einschränkungen also, in der das Private für das Bürgertum besonderes Gewicht gewinnt.
00:19:23: Auch Armut- und soziale Unterschiede kommen in Waldmüllers Bildern häufig vor.
00:19:28: Oft sollen sie zu Mitfühlen anregen ohne die Verhältnisse offen anzuklagen.
00:19:34: Deshalb lohnt es sich zwischen einer dargestellten Notlage und einer politischen Botschaft zu unterscheiden.
00:19:41: Unsere beiden Waldmüllerbilder entstehen bereits nach, die vertrauten Motive wirken aber weiter – und auffallend.
00:19:50: oft stehen dabei Kinder im Mittelpunkt!
00:20:07: Täubchen drinnen ist.
00:20:08: Manchmal stehen sie sogar ganz im Zentrum des Geschehens, warum sind gerade Kinder so wichtig für Waldmüller?
00:20:14: Also ich glaube, im Jahrhundert ist das Kind nicht immer zunehmend an Bedeutung.
00:20:18: Es ist auch diese Idee, dass in der Biedermeierzeit man sich in der Familie konzentriert hat und es ist private.
00:20:26: Und deswegen kamen natürlich Kinder viel mehr zur Geltung.
00:20:29: Auch diese Kindergefühle werden viel ernster genommen als zuvor.
00:20:34: Und da hat man vielmehr drüber nachgedacht wie man Kinderrichtige zieht und auch über diese Moralisierung gemeint.
00:20:41: Man hat Kinder als diese Wesen gesehen... komplett schuldlos sind und die, wir sind fast ein Vorbild auch für die Eltern geben können in Sachen der Moral.
00:20:51: Also er nimmt die kindliche Erfahrungswelt kann man sagen ernst genug um sie zum bildwürdigen Ereignis zu machen um es kunsthistorisch ganz geschliffen auszudrücken.
00:20:59: das kommt auch glaube ich im Dorotheum relativ gut an.
00:21:02: twenty-fünfundzwanzig wurde hier Waldmüllers Hansels erste Ausfahrt so hießes und auch heimkehrende Kinder so die beiden Titel aus dem Jahr eighteen achtund fünfzig für fünfhundert zwanzig tausend Euro versteigert.
00:21:13: Und wie du gesagt hast, diese kindliche Erfahrungswelt ernst genug nehmen.
00:21:17: Das klingt eigentlich von damals auf heute jetzt geblickt erstaunlich modern?
00:21:21: Ja, auf jeden Fall und zum Beispiel auch beim Hanselt erste Ausfahrt.
00:21:25: das Interessante ist eben wieder das Licht.
00:21:27: Das Kind ist offensichtlich krank gewesen wird dann rausgetragen von seinen Geschwistern und da sieht man wie die Sonne auf ihn scheint und es ist dieser Sonne dass auch eine Genesung ist Und das ist beim Waldenleben, das Fantastische ist eine Szene die eigentlich Schette schon passieren können.
00:21:43: Aber es hat auch eine gewisse Symbolik hinter sich.
00:21:46: Hat doch ein religiöses Symboliker eigentlich oder?
00:21:49: Ja, könnte man das auch so sagen!
00:21:50: Also weiß ich ob Waldmühler ein besonders religiöser Mann war aber auf jeden Fall versucht uns was mehr zu erzählen als wir eigentlich sehen.
00:21:59: und er zeigt uns aber auch in dem gar nicht so wie die Kinder aussehen sondern eher wie sie reagieren.
00:22:03: oder will ich mir das sein?
00:22:05: Ja, genau.
00:22:06: Besonders bei der Maus in der Schütze oder das Zürcher, glaube ich, man sieht alle mögliche Reaktionen also die Kinder sich ein bisschen fürchten ganz links, den es egal ist, ganz rechts und andere Kinder wirklich mit Neugier sich darauf stürzten.
00:22:21: Ich glaube Walmüller wollte einfach das Thema Neugir besprechen mit uns und die unterschiedliche Reaktion vor Augen bringen.
00:22:29: Auffallend.
00:22:30: aber an der Spitze dieser Menschenpyramide, sage ich jetzt mal in diesem Bild steht kein Kind sondern steht eigentlich ein alter Mann.
00:22:36: also doch was ambivalentes irgendwie.
00:22:38: Warum macht er das?
00:22:39: Er hätte ja auch hier einfach einen kind auf einem Stockerl mahlen können.
00:22:42: Ja stimmt!
00:22:42: Also glaube dass wir ihm nicht wissen können.
00:22:45: Es gibt ein ähnliches Beispiel, das gutmütige Kind oder auch der Bettler genannt.
00:22:49: Das Bild wurde im Torotheum für.
00:22:52: ich ruhe ihn jetzt auf.
00:22:57: Ein etwa vierjähriges Kind tritt aus einem einfachen Gehöft und reicht einem alten Bettler ein Stück Brot.
00:23:02: die Mutter steht mit einem weiteren Kleinkid im Hintergrund.
00:23:05: ist das Kind vielleicht eine moralische Hauptfigur?
00:23:09: Ja, auf jeden Fall!
00:23:09: Und das haben wir hin- und wieder auch in Biedermeier.
00:23:12: also allgemein bitte gerne es Einfach ist eine Genre Malerei nient der Walmüller oft Szenen, wo die Kinder einfach eine vorbildhafte Handlung haben und eben eine moralisierende Botschaft verbitteln.
00:23:26: Dann kann man fast sagen wir schauen bei Waldmülle nicht nur auf Kinder sondern wir schauen vielleicht durch die Kinder auf die Gesellschaft?
00:23:33: Ja ich glaube das könnte man auch so sehen.
00:23:35: Es ist natürlich oft schwierig zu wissen, genau was er sich dabei gedacht hat.
00:23:38: Weil es jetzt nicht bei allen Bilder einen Schrift dazu gibt und ich will jetzt nicht extrem viel spekulieren, was er vor allem wirklich dabei gedacht hatte.
00:23:47: aber ich kann mir schon vorstellen dass Waldmühler uns eine gewisse moralisierende Botschaft geben wollte besonders bei diesem Bild.
00:23:53: Jetzt hast du doch schon einige Waldmüllerbilder gesehen, zwei Hauptwerke oder zwei ganz tolle liegen jetzt wieder mal vor dir.
00:23:59: Du hast sie wahrscheinlich abgeleuchtet und fotografiert und abgemessen
00:24:02: etc.,
00:24:03: zehnmal umgedreht und so... Aber was machen Sie mit dir wenn du sie anschaust heute noch?
00:24:08: Also ich bin immer fasziniert von der Technik, muss ich sagen.
00:24:11: Das ist das Erste was mich extrem beeindruckt wie fein die Malerei ist, wie fantastisch die Landschaften sind im Hintergrund und wie die Stofflichkeit wiedergegeben ist.
00:24:20: also Ich finde beim Walden ist es wirklich absolut fantastisch was geschafft hat.
00:24:25: Und er stand ja ein bisschen alleine auch zu dieser Zeit, weil wirklich der absolut beste.
00:24:29: Wie die Hände gemacht sind und wie sich die Kinder aufeinander trödeln und diese Schürzen sich bewegen.
00:24:36: Zum Beispiel beim Mädchen links ist eine rosa Rock, die bis sie leuchtet im Licht.
00:24:42: Das ist so eine typische Waldmühlesache, die ich fantastisch
00:24:46: ist.".
00:24:51: Vielleicht schauen wir beim nächsten Bild von Ferdinand Georg Waldmüller also ein bisschen länger und genauer
00:24:57: hin?
00:24:58: auf eine Hand, die nach vorne greift.
00:25:00: Auf einen Blick der aus der Gruppe ausschert oder auf einen Rock den ein Lichtstreif zum Leuchten
00:25:06: bringt.".
00:25:07: Vielen Dank an Expertin Anna Meier-Goyzer für diesen gemeinsamen Blick auf Waldmüllers kindliche Neugierde und im Ziegenstall!
00:25:16: Beide Gemälde und alle Infos zur kommenden Aktion finden Sie wie immer online auf Dorotheum.com Und wenn Sie auch beim nächsten Mal mit uns genauer hinschauen möchten, abonnieren Sie doch den Dorotheum-Podcast.
00:25:30: Mein Name ist Andreas Maurer.
00:25:32: Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal, weil Kunst eben mehr ist als man sieht!
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