#13 Max Oppenheimer: Klangvolle Kunst

Shownotes

Wie kann ein Gemälde Musik hörbar machen? In Folge 13 des Dorotheum-Podcasts „Über den Wert der Kunst“ widmen sich Moderator Andreas Maurer und Kunsthistorikerin Marianne Hussl-Hörmann einem außergewöhnlichen Werk des österreichischen Expressionismus: Max Oppenheimers „Hess-Quartett“ von 1914.

Das Gemälde zeigt vier Musiker inmitten eines dynamischen Zusammenspiels aus Händen, Instrumenten, Farben und Bewegung. Inspiriert von Kubismus und Futurismus gelang Oppenheimer eine einzigartige bildnerische Übersetzung von Musik. Die Podcast-Folge beleuchtet seine künstlerische Entwicklung, seine Freundschaft mit Egon Schiele und die Einflüsse der europäischen Avantgarde.

Im Mittelpunkt steht auch die bewegte Provenienz des Gemäldes: die Geschichte seines früheren Besitzers Arnold Glück, der 1944 von den Nationalsozialisten ermordet wurde, und das jahrzehntelange Verschwinden des Werkes aus der Öffentlichkeit.

Nach fast 90 Jahren ist das „Hess-Quartett“ wieder öffentlich zu sehen. Am 17. November 2026 wird das bedeutende Gemälde in der Auktion „Moderne“ im Dorotheum in Wien versteigert, mit einem Schätzwert von 300.000 bis 500.000 Euro.

Auktion: Moderne https://www.dorotheum.com/de/a/126175/

Datum: 17. November 2026

Ort: Palais Dorotheum, Wien

Gäste: Marianne Hussl-Hörmann

Moderation: Andreas Maurer

Mehr Informationen und alle Lose der Auktion auf: https://www.dorotheum.com

Musik: by https://www.fiftysounds.com

Transkript anzeigen

00:00:01: Wir sehen einmal ein Bild, das unmittelbar für Aufmerksamkeit sorgt.

00:00:06: Man sieht die Anspannung, die den Fingern hier abverlangt wird.

00:00:10: Da kommen richtig drei Strahlen wie Blitze aus seinen Augen heraus.

00:00:15: So eine Art Elektrifizierung in einer futuristisch-kubistischen Manier was ganz selten ist für österreichische Maler.

00:00:34: Kann man Musik eigentlich festhalten?

00:00:37: Ja, wenn es nach der bildenden Kunst geht.

00:00:41: Vier Musiker die sich über ihren Noten beugen – ein Gewehr aus Händen, Geigenbögen und Instrumenten!

00:00:48: Alles scheint in wilder Bewegung zu sein und fast kann man die Musik hören.

00:01:01: Ein Schlüsselwerk der österreichischen Moderne kann man sagen, das fast neunzig Jahre lang nicht mehr öffentlich zu sehen war.

00:01:09: Nun wird es im Dorotheum versteigert!

00:01:12: Was macht dieses Bild so besonders?

00:01:14: Wie gelingt es einem Maler Klänge auf einer Leinwand festzuhalten und welche bewegte Geschichte verbirgt sich hinter diesem Werk

00:01:23: auch

00:01:23: nachdem es fertig

00:01:24: war?!

00:01:25: Darüber spreche ich in dieser Podcastfolge mit der Kunsthistorikerin und Dorotheomexpertin Marianne Hussl-Hörmann.

00:01:32: Ich bin Andreas Maurer, hallo und herzlich willkommen!

00:01:50: So schreib der Deutsche Maler und Illustrator Georgi Walther, aus dem Jahr und beschreibe damit das Gemälde, dass hier vor uns steht.

00:01:59: Das Hess-Quartett, so ist der Titel auch aus dem Jahre, gemalt von Max Oppenheimer.

00:02:05: Für alle Hörerinnen höher.

00:02:07: was sehen wir da?

00:02:08: Ich würde sagen gesehen einmal ein Bild, das unmittelbar für Aufmerksamkeit sorgt.

00:02:14: Es ist recht groß, es hat eins zwanzig mal eins siebzehn Zentimeter Länge und Breite, das heißt es ist fast ein Quadrat was immer ein spannendes Format ist weil es nach außen hin so harmonisch wirkt aber dafür im Inneren dann für sehr viel Spannung sorgt.

00:02:34: Und der Titel heisst Quartett also Heßquartett oder Streichquartet.

00:02:38: auch das heißt man sieht hier vier Musiker Und bei einem Streichquadrat gibt es einmal die erste Bioline, die sehen wir links gleich am Beginn des Bilders.

00:02:49: Neben ihm ist dann der Cellist, daneben wieder die zweite Bioline und am Ende also am rechten äußeren Rand ist die Pratsche.

00:02:59: In der Mitte sind wir noch Notenpult

00:03:00: etc.,

00:03:01: notenaufgespannt.

00:03:03: Fast quadratisches Format bietet sich an für ein Quartett, sag ich mal.

00:03:07: Auch

00:03:07: das?

00:03:07: Ja!

00:03:08: Das ist richtig.

00:03:08: Ist mir noch gar nicht aufgefallen.

00:03:10: und was besonders schön ist... Also es ist ein Quadrat von außen hin aber innen im Bild selbst herrscht eigentlich der Kreis vor.

00:03:18: Es ist ein Halbkreis entlang dem die Musiker sitzen Und die Farbe gestaltet sich auch quasi kreisfarmig von außen nach innen.

00:03:27: Außen ist es eher Antrazidfarben, also grau mit grünscher Tierungen sehr schön und im Innern ist es dann das Serhelek in Kanat fast rosarot und gelb von den Gesichtern und dann natürlich die weißen Notenblätter, von denen sich dann die ockerfarben-brauenfarbenen Musikinstrumente abheben.

00:03:48: Jetzt wollen wir natürlich wissen, wer dargestellt ist das Hess-Quartett.

00:03:52: Das wissen wir schon, es ist ein Titel aber ich glaube das Hess Quartett sagt heute selbst Musik aficionados wahrscheinlich wenig.

00:03:59: Wer war dieser hess willi häss?

00:04:02: Genau er stammte aus Mannheim und erzählt zu den bedeutendsten Violonisten des zwanzigsten Jahrhunderts Ausbildung bei dem noch berühmteren Violonisten Josef Joachim in Berlin erhalten und hat die sogenannte deutsche Violin-Tradition fortgeführt.

00:04:21: Er hatte eine wirklich gute Karriere gemacht, er war unter anderem auch am London Royal Orchestra, dann war er im Boston, am Symphonikorchester als Konzertmeister tätig und hat dort auch sein erstes Quartett gegründet!

00:04:35: Und dann ist aber in Berlin die Professur an der Musikhochschule freigeworfen, als sie zurückgegangen und er hat von Karl Hallir das Quartetsche übernommen.

00:04:47: Joseph Joachim wurde schon kurz erwähnt.

00:04:49: Man kann es für alle Musikfans vielleicht sagen, die uns zuhören ein guter Freund davon Johannes Brahms.

00:04:54: also in dieser Traditionslinie steht der gute Willi Hess.

00:04:57: ich glaube man kennt auch die anderen Mitspieler auf dem Bild.

00:05:00: wenn ich's richtig gelesen habe Emil Konrad spielt die zweite Geige Emil Hermann Die Bratsche und Hugo Dächert das Violon Cello wobei am Cello Oppenheimer anscheinend aber offenbar einen gewissen Max Baldner protediert hat statt den Hugo Dächer der eigentlich gespielt hat.

00:05:15: weiß man warum?

00:05:17: Nein, das weiß man nicht.

00:05:19: Vielleicht hat er bei diesem speziellen Konzert ausgeholfen?

00:05:24: War der eigentliche cellist krank oder gar nicht zugegen?

00:05:28: Vielleicht war auch befreundet mit Max Ballner.

00:05:30: Max Ballener ist auch ein sehr berühmter Cellist seiner Zeit gewesen und war dann später im sogenannten Klinglerquartett einen Ensemble mitgliedt und das hat Max Oppenheimer hier dann auch noch gemalt.

00:05:43: Wer also da ist, sozusagen beim Quartett wird porträtiert vom Max Oppenhimer?

00:05:47: Warum versucht aber Oppenheimer als bildender Künstler, sage ich mal oder als Maler überhaupt die Fluide, die nicht greifbare Klangkunst in einem Gemälde festzuhalten?

00:05:58: Max OppENheimer ist nicht der Erfinder dieses Themas Musik im Bild darzustellen, dass es... wahrscheinlich so alt, wie es beide Künste gibt.

00:06:08: Es war immer eine Herausforderung Musik darzustellen mit den unterschiedlichsten Mitteln und als Maler des zwanzigsten Jahrhunderts hat er dann auch mehr die Idee bekommen, wie man malerisch freier und anders agieren kann um diese Dynamik der Noten und des Spieles wiederzugeben.

00:06:27: Und da selber auch Musiker war, aber hat ja auch eine Violine gespielt hatte einen besonderen Zugang und auch ein besonderes Verständnis dafür.

00:06:35: Und das hat ihn dann so gepackt, dass er das eigentlich sein weiteres Leben fortgeführt hat?

00:06:41: Wenn ich es richtig gelesen habe war Oppenheimers Vater sogar Musikverleger also wirklich ein musikalischer Haushalt und der hatte sogar sagt man jedenfalls Kontakt mit Johannes Brahms.

00:06:51: Also da kommt wieder diese Brahms-Joseph ja auch im Schule oder Linie heraus.

00:06:55: Es wirkt falls zu als würde er den Fokus nicht auf die Gesichter den Ausdruck des Spielhänden legen sondern doch Ein bisschen mehr auf die Bewegung, den Tanz der Hände.

00:07:04: Kommt das vielleicht aus seiner musikalischen Vorbildung?

00:07:06: Dass er Musik anders darstellt als Kolleginnen und Kollegen seiner Zeit?

00:07:10: Das möchte ich schon auch sagen, dass es durchaus möglich ist, dass er weiß welche Konzentration es für den Musiker bedarf um... richtig zu spielen und auch mit der richtigen Behemence, Dynamik und Freude.

00:07:24: Und da sieht man ja auch an den Gesichtern an was besonders ist in seine Finger ist die Handhaltung selbst, die absolut korrekt ist.

00:07:34: Wenn man das selber weiß wenn man selber spielt dann passieren einem natürlich nicht die Fehler.

00:07:39: also wahrscheinlich könnte ein Musikliebhaber jetzt wissen welche Noten gerade gespielt werden gerade beim Linken, also beim ersten Violonisten.

00:07:49: Dass jetzt der Will Hess darstellt ist das besonders gut

00:07:52: ablesbar.".

00:07:53: Thomas Mann war sogar fasziniert von der unglaublich akustischen Wirkung wie es heißt, der musikalische Gemälde von Max Oppenheimer und bemerkte sogar treffend über diese oder andere Gemäle.

00:08:04: genau so sitzen Geiger beim Spielen.

00:08:06: So greift die linke Hand auf das Griffbrett, so beugt sich das rechte Handgelenk, so wird der Kopf gehalten!

00:08:13: Die Hände hast du schon erwähnt?

00:08:15: Ganz eigene Handhaltungen, ganz eigene Hände so.

00:08:18: Senig ein bisschen knochig oder bilde ich mir das ein?

00:08:20: Sehr knorrig, ja aber man sieht die Anspannung, die den Fingern hier abverlangt wird also nur in den Fingerspitzen die Seiten... berühren, drücken oder loslassen und auch die Art wie der Geigenstab geführt wird wo das die eigentlich wiederum sehr locker ist.

00:08:39: Fast ganz leicht scheint es was natürlich nicht der Fall ist aber es wirkt eher so aus dem Handgelenk locker geführt und dasselbe gilt natürlich auch für das Cello.

00:08:51: Ich glaube es ist auch erstaunlich, man sieht ganz viele Hände und die Instrumente unter Zwischen den Noten, dass man eigentlich sich sehr konzentrieren muss um zu denken welcher Arm gehört jetzt zu welchem Musikanten.

00:09:02: ja also das gehört auch dazu dass man fast ein Eindruck eines Chaos von Händen hat weil damit ja auch der Eindruck verstärkt wird dass hier wirklich sehr viel Bewegung ist sehr viel Atmosphäre, auch sehr viel Begeisterung für die Musik.

00:09:17: Also man kann annehmen es ist ein Allegro oder ein Presto liegt hier auf den Notenblättern und kein Largo oder kein Grabe.

00:09:23: wahrscheinlich so wie die Musiker aussehen diese innere Spannung dieser emotionale Erregung dieses Leuchten vielleicht dass sie umgibt das habe ich gelesen hat Max Oppenheimer in Wien angeblich bei dem Schriftsteller Autor Anthroposophen Rudolf Steiner kennengelernt.

00:09:38: Wie kann immer das vorstellen?

00:09:39: Was hat er von dem übernommen für solche Gemälde

00:09:42: Die theosophische Lehre, die in Wien durch Rudolf Steiner vertreten worden ist, hatte eine ziemlich große Popularität unter den Künstlern dieser Umhundert.

00:09:54: In der Theosofie herrschte ihm die Vorstellung, dass sich die Gefühle und die Gedanken von jedem Menschen als eine Art Aura nach außen hin zeigen und in verschiedenen Farben auch.

00:10:08: Also dass man sogenannten Astralkörper besitzt.

00:10:11: Und diese Vorstellung, das besonders auserwählte dieses Leuchten, diesen Nimbus um Personen herum erkennen können hat natürlich Künstler... Total fasziniert und auch angeregt.

00:10:24: Es war doch nicht etwas, was Oppenheimer exklusive übernommen hat.

00:10:28: Kokoschka hatte es noch viel stärker eingebracht vor ihm noch, wenn man denkt an Edward Munch zum Beispiel oder auch Anton Romaco und schließlich auch Egon Schiele.

00:10:37: also das war so ein Kreis die sich sehr damit beschäftigt haben die Psyche des Menschen im Bild wiederzugeben.

00:10:44: Mehr Ausdruck zu verleihen, nicht nur den äußeren Schein sondern wirklich auch das innere.

00:10:48: und da haben solche Tricks sozusagen malerische Erneuerungen viel dazu beigetragen.

00:10:54: Oppenheimer geht nicht so weit wie Kokoschka also er ist eigentlich Subzieler und reflektierter aber er verwendet es besonders bei seinen Porträts und dann eben auch in diesen Musikerbildern Stellenweise, z.B.

00:11:10: bei dem Willi Hess, also dem ersten Biolognisten der sehr gut zu erkennen ist weil er so einen markanten Schnauze hat, da sind ein paar einzelne weiße Strahlen die aus seinem Kopf heraus schwirren und auch sehr deutlich beim zweiten Biologinspieler.

00:11:25: Da kommen richtig drei strahlen kurze weiße Strahlen wie Blitze aus seinen Augen heraus was wirklich sehr auffallend ist Und teilweise ist es dann immer eingesetzt, entlang der Ärmel oder auch der Schultern und so.

00:11:39: Also das Ganze wird in Bewegung gesetzt und bekommt wirklich eine Art Elektrifizierung möchte man sagen.

00:11:47: also es ist wirklich gut eingesetzt nicht zu viel sondern wirklich ganz pointiert und effektiv.

00:11:56: Du hast

00:11:56: schon Egon Schiele erwähnt.

00:11:57: Das habe ich mir auch gedacht, wie ich das erste Mal gesehen hab die Hände erinner mich wahnsinnig an Schiele vor allem diese Handhaltungen dieser knorrigen Video gesagt hast und behauptet mal ich benenne es jetzt mal so verkrüppelte Hände oder sowas oder bilde ich mir das nur ein?

00:12:09: erinnert mich das zufällige noch in Schiele?

00:12:12: Nein, schon durchaus berechtigt.

00:12:14: Max Oppenheimer war sehr befreundet mit Egon Schiele.

00:12:16: Sie haben sich so im Jahr zehnhundertzehn kennengelernt, muss man sagen das Egon-Schiele fünf Jahre jünger war und den Kontakt von sich aus gesucht hat also auch von Oppenheimer lernen wollte.

00:12:27: sie haben dann zeitweise sogar im selben Atelier gearbeitet.

00:12:30: natürlich beeinflusst er es auch am Anfang auf alle Fälle wie zuversa Und die Hände spielten bei Oppenheim ja schon immer eine große Rolle sicherlich dieses sehnige und noch expressivere vom jüngeren Künstler übernommen oder das dann auch wieder natürlich eigens weiterentwickelt.

00:12:51: Aber es ist charakteristisch für dieses Musikerbild, aber auch für die Folgenden das besonderes Augenmerk auf die Hände gelegt

00:12:59: worden.".

00:13:05: Die Ähnlichkeiten zwischen Schiele-und Oppenheimer sind also kein Zufall!

00:13:09: Wie intensiv sich beide Künstler damals miteinander auseinandergesetzt haben, zeigen zwei Porträtes aus dem Jahr zehnt.

00:13:18: Schiele hat seinen Künstlerin in einem Aquarell festgehalten, das heute in der Albertina aufbewahrt wird – Obmheimer wiederum malt Schiele in Öl!

00:13:28: Dieses Bild befindet sich heute im Wien-Museum.

00:13:31: Beide haben nach einer neuen Form des Porträts gesucht die nicht nur das äußere Erscheinungsbild widergibt, sondern auch psychische Spannungen und innere Befindlichkeiten zum Ausdruck bringt.

00:13:43: Aus der gegenseitigen Beeinflussung sind aber durchaus eigenständige künstlerische Positionen entstanden – und bevor Oppenheimer das Heßquartett malt erweitert er noch einmal seinen künstlarischen Horizont diesmal außerhalb Wienz!

00:14:05: Es ist gemalt, gehen wir noch mal zwei Jahre zurück.

00:14:07: Im Jahr die Gelegenheit zu einer Ausstellung bei Paul Kassierer in Berlin.

00:14:13: Das war damals so etwas wie der Ritterschlag für Mahlerinnen-Mahler auszustellen und übersiedelt auch in die deutsche Hauptstadt.

00:14:20: Gerade Berlin wird für Oppenheimer zum künstlerischen Wendepunkt eigentlich?

00:14:26: Man muss sagen, dass er mehr oder weniger verlassen hat weil es zu einem großen Streit mit Kokoschka gekommen ist Und er hatte aber das Glück, dass er zuerst vom Galeristen Tannhauser in München eine Ausstellung bekommen hat und dann ihm diese Einladung von Kassierer.

00:14:43: Das war so ein Quantensprung für die Künstler damals weil da doch die Hoffnung damit verbunden war, dass man auch verkaufen kann.

00:14:50: Und der ist dann eben in Berlin geblieben, ist dort in einem Künstlernzirkel um Hermann Walden gekommen und hat sich hier neue Inspirationen gesucht.

00:14:59: Ganz wesentlich für ihn war, dass er hier die internationalen Strömungen des Kubismus, sprich Wort Picasso, Sprachkennen gelernt hat.

00:15:10: Aber auch die Futuristen wie Sonja Deloné oder Robert Delonée.

00:15:14: und er hat also plötzlich erkannt das es malerische Mitteln gibt um Geschwindigkeit, um auch Töne sozusagen zu vermitteln indem man die plane Fläche der immer ein bisschen brav ist aufbricht und das Ganze, wie durch ein Kaleidoskop sieht.

00:15:30: Das ist eigentlich das große Kennzeichen dieses Bilders, dass es gemalt ist in einer futuristisch-kubistischen Manier was ganz selten für die österreichische Kunst überhaupt der Moderne

00:15:46: ist.

00:15:46: Und er lernt in Berlin natürlich auch das Hess-Quartett kennen, also besucht mehrere Konzerte von denen.

00:15:50: Musik konnte ja damals nur live verlebt werden es gab aber noch kein Spotify etc.

00:15:55: und andere.

00:15:56: Das ist schon Futurismus erwähnt, Kubismus etc.

00:15:58: was passiert nach?

00:16:00: Da erst der Weltkrieg beginnt?

00:16:01: In Wien wird zum Beispiel die Ankeruh enthüllt.

00:16:04: ein Hauptwerk des Jugendstils Gustav Klimt beginnt mit dem Bildnis Elisabeth Lederer, das erst vor wenigen Monaten mit großem Aufsehen in New York versteigert worden ist.

00:16:12: Claude Monet startet seinen riesigen Zyklus der Wasserlilien.

00:16:16: Das sind doch alles ganz andere Stile irgendwie als davon.

00:16:20: Oppenheimer heißt dass sie am alle gleichzeitig funktioniert.

00:16:22: gab es da nicht mehr den einen Stilen die man malen sollte?

00:16:26: Nein, dann gibt es eigentlich schon seit dem neunzehnten Jahrhundert nicht mehr.

00:16:30: Aber ein Kennzeichen der Moderne also das was nach nineteen hundert passiert bis nineteen hundertzwanzig kann man's fast schon eingrenzen Das ist eine Explosion der Stile.

00:16:40: Das ist ja auch typisch für Unsere Zeit.

00:16:43: für die Moderne ist plötzlich ganz, ganz viel möglich.

00:16:46: Und letztlich kennen die Künstler das jeder seinen individuellen Weg gehen möchte und dass man experimentieren muss um auch hier in dieser Kunstwelt sich zu profilieren.

00:16:57: aber auch die Ideen sind einfach viel vielfältiger.

00:17:00: Max Oppenheimer ist genauso wie Kokoschka oder Schiele auch ein typischer Vertreter dieser jungen Generation, die noch radikaler sind.

00:17:07: Also es jetzt ein Gustav Klimt war, die wirklich aufgesogen haben alle Neuerungen, die in einem ständigen Wettkampf miteinander gelebt haben und die eben auch ihre inneren Gefühle zum Ausdruck bringen wollten.

00:17:19: Also Oppenheimer ist ein typische Vertretern des österreichischen Expressionismus Aber er erweitert das im Gegensatz zu Kokoska oder Schiele auch mit diesen international besonders wichtigen und bedeutenden Strömungen wie eben diese cubistischen Elemente.

00:17:37: Was mich bei dem Bild so fasziniert ist, ich weiß nicht genau was will es mir sagen?

00:17:41: Es heißt zwar das HES-Quartett natürlich sehen wir das Hesquartett aber ist es ein Porträt?

00:17:45: Ist es eine schare Darstellung?

00:17:47: Ist die Bewegung die uns zeigen will?

00:17:50: Was ist es eigentlich?

00:17:52: Ich glaube es ist eine Homage an der Musik.

00:17:54: Wie gesagt, er hat ja auch nicht den korrekten Gelisten genommen und sie sind doch keine Porträts.

00:18:01: Sie sind relativ stilisiert.

00:18:03: es geht ihm auch nicht um die Personen selber.

00:18:06: aber durch den Namen Hesquartett hat man natürlich dem Ganzen schon eine gewisse Identität gegeben was für den Verkaufs sicher gut gewesen ist oder auch für die Anerkennung des Bilders.

00:18:17: Aber nein!

00:18:18: Es geht im wirklich darum hier musikbildnerisch erfahrbar zu machen.

00:18:25: Und ich glaube, das ist auch wirklich so wenn man sich vor diesem Bild hinstellt vielleicht sogar die Musik hört beginnt es wirklich zu schwingen und nimmt einen mit an diese faszinierende Welt der hörbaren Töne.

00:18:37: Das ist eben wirklich hier besonders gelungen und damit ist eine quasi in seinem Werk auch ein Inkonabel.

00:18:45: also das allererste Gemälde wo er sich im so großen Format auch an das Thema Musik gewagt hat.

00:18:52: Es bleibt doch nicht das einzige Quartett gemeldet.

00:18:54: In den letzten Jahren, malte er das Klingler-Quartett aus dem man auch sehr auf die Hände konzentriert, die Choreografie.

00:19:01: Das ist ein Roussée-Quartet, das die Komposition und die Mimik vom Hessquartett übernimmt.

00:19:07: Das Ganze aber noch etwas ökonomisiert kann man sagen... Mindestens eben so spannend wie die Darstellung des Hess-Quartets.

00:19:12: Jetzt haben wir schon ein bisschen darüber gesprochen, ist auch die Biografie des Gemäldes also nach nineteenhundertvierzehn.

00:19:18: denn ab dann hat Oppenheimer das Hess-Quitet eigentlich fast auf jeder Ausstellung mit dabei oder quasi aufspielen lassen sozusagen im Gemälden?

00:19:25: Das ist ein gutes Wort aufspülen lassen.

00:19:28: ja es ist wirklich schön zu sehen wie er dieses Bild eigentlich auf all seinen wichtigen Ausstellungen mitnimmt und präsentiert.

00:19:36: also er ist ja nineteenhundundfünfzehn Obwohl er untauglich gewesen ist, doch in die Schweiz gezogen hatte dort auch eine Ausstellung.

00:19:45: Da war es präsent im Zürich, in Genf, in Basel dann wieder in Berlin.

00:19:49: Dann ist das nach der Wien, der Hagenbund hat eine Ausstellung von Oppenheimer.

00:19:58: Und diese Ausstellung ist auch dann nach Prag weitergekommen.

00:20:00: Also man sieht, es ist wirklich eine große Abfolge!

00:20:03: Auch die Galeristen haben um dieses Bild gerittert sozusagen – das war in der Galerie Gaspari in München und bei Kassieren noch einmal in Berlin.

00:20:13: Was irgendwie erstaunt und eine Frage aufwärft ist warum dieses Bild nicht verkauft worden ist?

00:20:22: Ich glaube, er ist einfach an diesem Bild gehangen denn er hat das Rosé-Quartets, Klinglerquartete des Konzerts.

00:20:29: Die einzelnen kleineren Musikstil leben immer verkauft und das bleibt bei ihm.

00:20:35: Es bleibt lange im Besitz des Künstlers zwischen der Dreierunddreißig oder der Neunzehn-Dreierund Dreißig und neunzehntfünfunddreissig wird es dann von einem gewissen Arnold Glück erworben?

00:20:44: Wie geht die Geschichte dann weiter?

00:20:46: dieser mindestens genauso spannend?

00:20:48: Genau!

00:20:48: Wir wissen natürlich nicht wirklich was der Beweggrund gewesen ist, neunzelneuhr dreihunddreißiger hat.

00:20:54: Es ist im Künstlerhaus eine Ausstellung gegeben, wo er das Heßquadet präsentiert hat und auch als verkäuflig kennzeichnete.

00:21:04: Und in der Session war es über seine letzte Ausstellung und da ist auch dieses Bild wieder da.

00:21:10: aber diesmal ist es also nicht verkäuflich gemerkt.

00:21:14: Max Oppenheimer hat einen sehr engen Bezug zur jüdisch-kulturellen Szene in Berlin gehabt und viele Förderer mit Zehnesammler aus diesen Kreisen gefunden.

00:21:29: Manche sind bekannt, aber viele eben auch unbekannt.

00:21:32: Und einmal Glück war ein Textilfabrikant.

00:21:36: Er war in der Geschäftsleitung tätig vom größten Textilunternehmen der österreichischen und englischem Monarchie von Hermann Pollack und die hatten ihren Sitz auch im Wien.

00:21:48: Daraus kann man ja auch schließen, dass er das nötige Kaufkraft hatte um durch ein so großes Bild zu erwerben.

00:21:54: Dass Oppenheimer sicherlich nicht günstig abgegeben hat obwohl er in den dreißiger Jahren schon wirklich am Bedarf gehabt hat an Verkäufen oder einer wirtschaftlichen Grundlage.

00:22:04: Oppenheimer ist dann von der Schweiz nach Amerika rechtzeitig emigriert.

00:22:16: Max Oppenheimer konnte die Nationalsozialisten entkommen.

00:22:19: Anfang neunzehntneinunddreißig erreicht er New York.

00:22:23: Doch an seine früheren Erfolge kann er dort kaum mehr anknüpfen.

00:22:27: Zwar vollendet er noch sein monumentales Gemälde, die Philharmoniker, an dem er über viele Jahre gearbeitet hat – doch nineteenhundertfünfzig stirbt er weitgehend vergessen und verarmt in New York!

00:22:41: Für den Sammler Arnold Glück nimmt die Geschichte einen noch tragischeren Verlauf.

00:22:45: Er wird von den Nationalsozialisten in Theresienstadt ermordet.

00:22:52: Das Hess-Quartett allerdings übersteht den Krieg, es bleibt im Besitz seiner Witwe aner Glück und damit für viele Jahre aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden.

00:23:08: Nach deren Todes war in den letzten Jahren das Bild dann einem verwandten Vermacht jahrzehntelang was nicht öffentlich zu sehen.

00:23:15: eigentlich seit den dreißiger Jahren also fast neunzig Jahre ist dieses Monumentale, wichtiger Gemälde von Max Oppenheimer das Heißquartett nicht öffentlich zu sehen gewesen.

00:23:23: Nun steht's im Original vor uns!

00:23:26: Bin sicher diesmal wird es jetzt nicht unverkäuflich bleiben.

00:23:29: Das traue ich mich wetten... Aber wenn wir heute vor dem Bild stehen, neunzig Jahre was nicht zu sehen, dann seh'n´s wir hier.

00:23:35: Was macht es immer noch mit uns vielleicht?

00:23:37: Also ist eine Mischung von Begeisterung Überraschung Faszination Weil es immer etwas anderes ist weil man im Bild natürlich erstens im Original sieht der Faubauftrag, die Schwingungen in der Leinwand.

00:23:51: Das ist einfach nur am Original zu erkennen und nie in einer Abbildung.

00:23:56: Man muss auch dazu sagen es ist ein hervorragender Zustand.

00:23:59: das wurde offensichtlich immer sehr gut auf das Bild aufgepasst da ist gar nichts keine Restaurierung notwendiges.

00:24:07: entlang des unbeschädigten Farben sind ihre ganzen Frische zu erkennen also dass es wirklich faszinierend Wirklich berührt, wenn man so unmittelbar vor dem Bild steht hat man ja das Gefühl.

00:24:20: Man ist auch Teil... Also man is ein Zuhörer des Quartetts genauso wie der Maler selber ganz nah bei den Musikern ist weil es ist ja der Vorteil von so einem Streichquartett dass man die Musik so unmittelbar hört.

00:24:35: und diesen Eindruck den haben wir heute als Betrachter auch und das ist schon etwas ganz Besonderes.

00:24:45: Sie können sich von der Wirkung des Gemäldes natürlich auch selbst überzeugen, dass Hess Quartett vom Max Oppenheimer ist ab dem siebend November im Wiener Dorotheum im Original zu sehen und schon jetzt natürlich auch im Online-Katalog.

00:25:00: Am siebzehnten November kommt dieses außergewöhnliche Werk dann in die Auktion Moderne unter den Hammer – Der Schätzwert liegt zwischen dreihundert bis fünfhunderttausend Euro!

00:25:12: Alle Informationen zur Aktion und zum Mitbieten finden Sie wie immer auf Dorotheum.com.

00:25:18: Expertin Marianne Hussl-Hörmann war in dieser Folge meine Gesprächspartnerin.

00:25:23: Das war über den Wert der Kunst, Der Dorotheumportcast.

00:25:28: Bis zum nächsten Mal sagt Andreas Maurer Weil Kunst eben mehr ist als man sieht.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.